notamuse

Ich möchte eine weibliche Don Draper sein!

Amanda Haas

About

»notamuse« thematisiert die fehlende Sichtbarkeit von Grafikdesignerinnen in der Designöffentlichkeit. Die Bedeutung des Namens ist klar: not a muse. Anders als die Muse, die durch ihre inspirierende aber passive Funktion männliche, kreative Geister anregt, geht es uns um Designerinnen, die selbst schöpferisch tätig sind und sich aktiv an der Gestaltung der Designlandschaft beteiligen. notamuse stellt sie auf dieser Seite in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Wir wünschen uns mehr weibliche Vorbilder im Grafikdesign sowie eine diversere Designszene, jenseits von männlichen Heldenfiguren. Im Frühjahr 2017 führten wir deshalb 22 Interviews, in denen wir mit verschiedenen Frauen über Themen wie die neue Arbeitswelt und Frauen in »Männerberufen«, über die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gestalter_innen und Sexismus im Berufsalltag sprachen. Wir diskutierten über gestalterische Haltung, Arbeitsabläufe und persönlichen Erfahrungen in der Designwelt. Thematisch sortiert können die Antworten auf dieser Website verglichen werden und geben damit einen Einblick in die Design-Vorstellung der Gestalterinnen, in ihre Ideale und ihre persönliche Auseinandersetzung mit Gleichberechtigung – sowohl im Beruflichen als auch im Privaten. Die Statements der Soziologinnen und Designtheoretikerinnen ergänzen dabei die Auseinandersetzung.
Neben dieser Website entsteht das Buch »notamuse – A New Perspective on Graphic Design«, das ausschließlich Arbeiten zeitgenössischer Grafikdesignerinnen präsentiert. Es versteht sich dabei als bewusste Geste, um den männlich dominierten Designdiskurs auszugleichen und wird voraussichtlich 2018 erscheinen.

Das Team von notamuse: Silva Baum, Claudia Scheer und Lea Sievertsen (v.l.n.r.)

Impressum


notamuse
Silva Baum, Claudia Scheer, Lea Sievertsen
Mainzer Str. 12
10247 Berlin

Kontakt:
hi@notamuse.de

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Code von Jens Schnitzler, Tim Rausch und Jana Reddemann

Franziska Parschau

Große Designkonferenzen, die ein hohes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit genießen, stehen oftmals in der Kritik, ihr Programm vorwiegend männlich zu besetzen. Häufig scheint es, als würden Sprecherinnen nur als sogenannte »Quotenfrauen« integriert werden. Die international renommierte Designkonferenz TYPO Berlin zeigt und diskutiert unterschiedlichste Ansätze aus den Bereichen Kommunikation und Gestaltung. Franziska Parschau vom TYPO-Team spricht mit uns über ausgeglichene Sprecher_innen-Verhältnisse, Diversität auf Konferenzen und die öffentliche Wahrnehmung von Vortragenden.

Wie wählt ihr die Sprecher_innen für die TYPO aus?

FP: Es gibt drei Wege, wie sich Sprecher_innen für die TYPO qualifizieren können, ein Programmteam entscheidet über Zu- und Absagen: erstens, sie schicken eine Initiativbewerbung; das Programmteam entscheidet dann, ob das etwas für die TYPO ist oder nicht. Jedes Jahr bewerben sich ungefähr 30 Personen, der Frauenanteil ist dabei übrigens gleich Null. Zweitens, das Programmteam hält selber die Augen und Ohren nach Sprecher_innen offen: wer ist relevant, wer macht tolle Arbeit, wer hat neue Denkansätze? Und drittens bekommen wir als TYPO-Programmteam auch sehr viele Vorschläge von Freund_innen, Kolleg_innen, ehemaligen Sprecher_innen, TYPO-Moderator_innen, usw. für kommende Sprecher_innen ans Herz gelegt.

Achtet ihr auf ein ausgeglichenes, diverses Sprecher_innenverhältnis?

FP: Wir versuchen es.

Welche Schwierigkeiten gibt es dabei, ein diverses Sprecher_innenverhältnis zu erreichen?

FP: Oft muss man sich selber daran erinnern, dass man auf Diversität achtet. Vieles stellt man ja nicht ständig in Frage. Letztendlich spiegelt die TYPO unsere Gesellschaft wider. 50% des Publikums ist weiblich, aber auf der Bühne stehen nur 10% Frauen. 50% der Designer_innen sind weiblich, aber in Führungspositionen sind es wenige Prozent. Und auch unter den bekannten Namen gibt es mehr Männer als Frauen.

Hat sich das Bewusstsein für Diversität im Veranstaltungsbereich verändert?

FP: Definitiv. Konferenzen werden mittlerweile auch danach beurteilt, ob genug Sprecherinnen und Newcomer auf der Bühne stehen.

Ergreift die TYPO aktive Maßnahmen, um etwas zu verändern?

FP: Wir versuchen gezielt, junge Sprecher und Sprecherinnen zu fördern und aufzubauen, wie Sebastian Lörscher, der jetzt auch zum zweiten Mal sprechen wird. Eva-Lotta Lamm ist auch wieder dabei, sowie viele junge unbekannte Sprecher und Sprecherinnen. Manchmal haben wir mehr, mal weniger Erfolg, Geschlechterausgewogenheit herzustellen.

Wie erklärt ihr euch den schwankenden Anteil weiblicher Sprecherinnen auf der TYPO in den letzten Jahren?

FP: In der Tat schwankt es. Wir müssen den Spagat zwischen bekannten Namen, die das Publikum anziehen, Newcomern und den verschiedenen Themen schaffen. Und letztendlich fragt man die Leute an, die man kennt: Sprecher_innen, Talente, Macher_innen. Als Programmmacher_innen stehen wir auch unter Zeitdruck: wenn wir eine Absage bekommen, fragen wir den/die Nächsten. Sagen zwei Frauen ab, fragen wir vielleicht zwei Männer.

Gibt es eurer Erfahrung nach Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Sprecher_innen?

FP: Nicht zwischen den Vorträgen, aber es gibt definitiv ein anderes Selbstbewusstsein, wenn es darum geht, auf einer Konferenz zu sprechen.

Gibt es Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung der Vortragenden, abhängig vom Geschlecht?

FP: Nein, da wird nur durch den Bekanntheitsgrad unterschieden.

Haben Frauen weniger Interesse daran als Männer, öffentliche Vorträge zu halten und sprechen allgemein weniger gern vor Publikum?

FP: Das ist totaler Quatsch. Frauen haben genauso viel Interesse, vor Publikum zu sprechen, die meisten haben nur weniger Mut und setzen andere Prioritäten. Ein Beispiel: von fünf Frauen, die wir anfragen, sagen zwei: »Ich werde keine Zeit haben, weil ich mich um die Familie kümmern muss (Kind, Eltern, Großeltern).« Kein Mann hat sowas jemals gesagt. Zwei weitere sagen: »Ich weiß nicht, ich habe das noch nie gemacht und traue mir das nicht zu.« Das hat auch noch kein Mann zu uns gesagt. Frauen möchten genauso auf die Bühne, trauen sich das selber aber meist nicht zu. Die Männer auch nicht. Die wissen aber auch ganz genau, dass sie nicht auf eine Bühne kommen, wenn sie es nicht einfach machen.

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